
Demenz und Menschen mit geistiger Behinderung
Die Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ist dank verbesserter Diagnostik und medizinischer Versorgung erheblich gestiegen. Dies führt dazu, dass auch bei dieser Personengruppe zunehmend demenzielle Erkrankungen vorkommen. Denn Demenz ist eine Erkrankung des Alters, d.h. mit steigendem Alter steigt auch das Risiko an Demenz zu erkranken. Diese Tendenz ist auch in den Einrichtungen vom ARCUS Sozialnetzwerk deutlich erkennbar. Gerlinde Arnreiter, Mitarbeiterin von ARCUS und akademische Expertin für Demenz schult bzw. sensibilisiert daher das Betreuungsteam und unterstützt diese bei der Erstabklärung, wenn entsprechende Veränderungen beiden den von ARCUS betreuten Menschen zu beobachten sind.
Demenz und geistige Beeinträchtigung
„Bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung treten alle Formen der Demenz genauso auf wie in der Gesamtbevölkerung. Bei ihnen ist die Leistungsfähigkeit des Gehirns jedoch durch frühere Schädigung eingeschränkt, weshalb sich demenzielle Erkrankungen meist zu einem früheren Zeitpunkt zeigen.“ erklärt Gerlinde Arnreiter. Die ersten Anzeichen weichen aufgrund der vorliegenden Schädigung häufig von der üblichen Symptomatik einer Demenz ab und werden nicht selten dem Alter oder der geistigen Behinderung zugeschrieben. Um eine angemessene Behandlung und Pflege ermöglichen zu können ist es wichtig, dass Demenzerkrankungen auch als solche erkannt werden. Die Diagnostik gestaltet sich bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung etwas schwieriger, da einfache Messinstrumente wie der bekannte Mini Mental Test oder der Uhrentest eine durchschnittliche kognitive Leistungsfähigkeit vor Ausbruch der Demenzerkrankung voraussetzen.
Der Abbau kognitiver und körperlicher Funktionen kann bei intellektueller Beeinträchtigung nur festgestellt werden, wenn Vergleichsdaten vorliegen, welche zu einem Zeitpunkt erhoben wurden, zu dem noch keine Anzeichen einer Demenz vorhanden waren. In der Praxis stehen solche Daten allerdings kaum zur Verfügung. Eine sinnvolle Diagnose ist nur durch die Einbeziehung von Bezugspersonen möglich, welche umfassende Auskunft über die Biographie der Betroffenen geben können.
Bezugsbetreuung bei ARCUS sinnvoll
In den ARCUS-Einrichtungen hat sich daher das System der Bezugsbetreuung bewährt. Im Idealfall stehen den betreuten Menschen jahrelang dieselben Betreuungspersonen zur Seite, die geistige und körperliche Veränderung aufmerksam beobachten und entsprechend reagieren. Denn wie in der Gesamtbevölkerung treten auch bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sekundäre Demenzen auf, bei denen andere, häufig gut behandelbare Krankheiten der Auslöser für eine Demenzerkrankung sind. Das wiederum unterstreicht die Wichtigkeit einer umfassenden Diagnostik.
Das ARCUS-Team wird sich auch weiterhin mit dem Thema Demenz umfassend beschäftigen und neueste Erkenntnisse bestmöglich in den Betreuungsalltag einfließen lassen.
Fotorecht: Adobe Stock